Vor einer Operation oder einem anderen medizinischen Eingriff wollen viele Patienten einen weiteren Spezialisten befragen.

Gesetzlicher Anspruch: § 27b Abs. 1 S. 1 SGB V

Hierzu bestimmt § 27b Abs. 1 Satz 1 SGB V : Versicherte, bei denen die Indikation zu einem planbaren Eingriff gestellt wird, bei dem insbesondere im Hinblick auf die zahlenmäßige Entwicklung seiner Durchführung die Gefahr einer Indikationsausweitung nicht auszuschließen ist, haben Anspruch darauf, eine unabhängige ärztliche Zweitmeinung bei einem Arzt oder einer Einrichtung nach Absatz 3 einzuholen.

Die gesetzlichen Krankenkassen sind verpflichtet, die Kosten für die Zweitmeinung zu übernehmen.  Das Recht auf eine zweite Meinung besteht jedoch nur bei planbaren Operationen sowie bei Operationen, die aus wirtschaftlichen Gründen häufiger angewendet werden als medizinisch unbedingt notwendig wäre. Eine gesetzliche Regelung oder eine Richtlinie, welche Eingriffe zweitmeinungsfähig sind, gibt es jedoch noch nicht.

Grundsatz

Es besteht das Recht auf freie Arztwahl für gesetzlich versicherte  Personen. Sie können also unproblematisch einen zweiten Arzt zurate ziehen. Dieser kann seine Beratungsleistungen mit der Krankenkasse abrechnen. Wer das Einholen einer Zweitmeinung plant, sollte den behandelnden Arzt informieren und um Aushändigung von Berichten, Laborwerten und Ergebnissen von Röntgenuntersuchungen bitten. So werden überflüssige Doppeluntersuchungen und Kosten vermieden. Patienten haben ein Recht auf Kopien der Patientenakte und der Befunde. Der Arzt darf allerdings die Kosten für die Kopien in Rechnung stellen.

Aufklärung

Wenn eine Operation ansteht, die nach der gesetzlichen Regelung einen gesonderten Anspruch auf eine Zweitmeinung rechtfertigt, muss der Arzt den Patienten mindestens zehn Tage vor dem geplanten Eingriff über diese Möglichkeit aufklären. Zudem muss der Patient informiert werden, dass er seine Behandlungsunterlagen einsehen und die Krankenkasse die Kosten für die Kopien übernimmt. Der Arzt muss auf Listen mit zugelassenen Zweitgutachtern hinweisen.

Zweitmeinung von der Krankenkasse

Die gesetzlichen Krankenkassen dürfen ihren Versicherten ärztliche Zeitmeinungen auf freiwilliger Basis organisieren und bezahlen. Rund die Hälfte der Krankenkassen bietet dieses Versorgungsplus an. In der Regel wird ein Zusatzcheck bei Eingriffen an Wirbelsäule, Hüfte, Knie oder Schulter gewährt. Einige Krankenkassen ermöglichen Patienten mit einer Krebsdiagnose eine weitere Begutachtung durch einen Spezialisten. Gleiches gilt für Patienten vor eine Herzoperation.

Der Ablauf des Zweitmeinungsverfahrens ist von Krankenkasse zu Krankenkasse unterschiedlich. Die Hälfte der Krankenkassen stellen ein Onlineportal zur Verfügung, über das die Unterlagen hochgeladen werden. Dort erfolgt auch die Beratung. Die andere Hälfte der Krankenkassen vermittelt einen Termin bei den kooperierenden Spezialisten.

Qualitätsanforderungen

Die eigenen Zweitmeinungsverfahren der Krankenkassen müssen Qualitätsvorgaben einhalten, was die Güte der Einschätzung und die Qualifikation des Arztes angeht. Diese Anforderungen gelten für Operationen, die nach dem Gesetz zweitmeinungsfähig sind. Für andere Eingriffe gibt es hingegen keine Qualitätsvorgaben. Daher sollte man in diesen Fällen selbst die  Qualifikation des Zweitgutachters hinterfragen. Zudem sollte mit der Versicherung geklärt werden, ob doch Kosten entstehen und wie lange man auf die Zweitmeinung warten muss.